„Das mag ich nicht!“ Diesen Satz hören viele Eltern, noch bevor ihr Kind das Essen überhaupt probiert hat. Besonders neue Lebensmittel oder unbekannte Gerichte landen häufig erst einmal am Tellerrand. Das kann im Familienalltag frustrierend sein, ist aber meist kein Grund zur Sorge. Denn Kinder müssen neue Geschmäcker, Gerüche und unterschiedliche Konsistenzen erst kennenlernen. Was heute noch abgelehnt wird, kann einige Monate oder Jahre später sogar zu den Lieblingsspeisen gehören.
In diesem Blogbeitrag erfahren Sie, warum Kinder neue Lebensmittel häufig zunächst ablehnen, wie sich Geschmacksvorlieben entwickeln und wie Sie Ihr Kind beim Ausprobieren neuer Speisen begleiten können.
Ein neues Lebensmittel kann ungewohnt riechen, eine auffällige Farbe haben und sich im Mund anders anfühlen als erwartet. Natürlich schmeckt es auch anders als vertraute Speisen. Eine vorsichtige oder auch ablehnende Reaktion darauf ist ganz normal.
Auch ein bekanntes Lebensmittel kann in einer anderen Form zunächst abgelehnt werden. Eine rohe Möhre ist knackig und fest, gekochte Möhren sind weich und süßlich und eine Möhrensoße sieht wiederum ganz anders aus. Während Erwachsene all diese Varianten problemlos als Möhre erkennen, müssen Kinder solche Zusammenhänge erst lernen.
Auch die persönliche Tagesform spielt eine Rolle. Nach einem langen Kita- oder Schultag fehlt Kindern häufig die Energie, um sich auf neue Eindrücke einzulassen. Wenn sie müde, sehr hungrig oder bereits von vielen Erlebnissen erschöpft sind, greifen sie lieber zu etwas, das sie kennen. Die Ablehnung einer neuen Speise ist in diesem Fall kein Trotz. Sie zeigt vielmehr, dass das Kind mit dem neuen Eindruck gerade noch überfordert ist und mehr Zeit benötigt.
Die Vorliebe für süßen Geschmack ist bereits von Geburt an vorhanden und das war lange Zeit sinnvoll: Süße Lebensmittel lieferten Energie und waren in der Natur häufig ein Hinweis darauf, dass Früchte reif und bekömmlich waren.
Bittere oder sehr saure Geschmäcker konnten dagegen vor unreifen, verdorbenen oder sogar giftigen Substanzen warnen. Deshalb reagieren Kinder auf bittere Lebensmittel häufig besonders empfindlich. Das fällt beispielsweise bei Brokkoli, Rosenkohl, Rucola oder manchen Kohlsorten auf. Wie stark Bitterkeit wahrgenommen wird, ist jedoch sehr individuell.
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Ob ein Kind ein Lebensmittel mag, hängt nicht nur von den klassischen Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer und bitter ab. Auch Geruch, Aussehen, Temperatur und Konsistenz beeinflussen das Esserlebnis.
Manche Kinder mögen beispielsweise frische Tomaten, lehnen aber eine stückige Tomatensoße ab. Andere essen Kartoffeln gerne als knusprige Ofenkartoffeln, können mit Kartoffelpüree jedoch wenig anfangen. Hier ist nicht der eigentliche Geschmack wichtig, sondern das Gefühl im Mund. Auch gemischte Gerichte können eine Herausforderung darstellen. In einem Auflauf sind die einzelnen Zutaten nicht immer eindeutig zu erkennen. Für ein Kind, das die Lebensmittel noch nicht gut kennt, kann das schwierig sein.
Es lohnt sich deshalb, genau hinzuschauen: Lehnt das Kind das Lebensmittel ab oder nur eine bestimmte Zubereitungsart? Unterschiedliche Varianten anzubieten, kann dabei helfen, das herauszufinden.
Geschmacksvorlieben können sich im Laufe der Kindheit immer wieder verändern. Lebensmittel, die lange abgelehnt wurden, können plötzlich lecker schmecken. Umgekehrt kann eine frühere Lieblingsspeise zeitweise nicht mehr gefragt sein.
Dabei spielt die Vertrautheit eine wichtige Rolle. Je häufiger Kinder einem Lebensmittel in einer entspannten Situation begegnen, desto weniger fremd erscheint es ihnen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kinder jedes angebotene Lebensmittel probieren müssen. Auch das Anschauen, Riechen oder Anfassen ist eine Form des Kennenlernens.
Jede positive Begegnung kann dazu beitragen, dass ein Lebensmittel vertrauter wird. Manchmal braucht es viele solcher Erfahrungen, bis ein Kind freiwillig probiert. Bei manchen Lebensmitteln bleibt die Ablehnung bestehen und das unproblematisch. Schließlich mögen auch Erwachsene nicht alles.
Kinder orientieren sich stark an den Menschen in ihrem Umfeld. Sie beobachten, was Eltern und andere Bezugspersonen essen, wie sie darüber sprechen und welche Stimmung am Tisch entsteht. Wenn Eltern verschiedene Lebensmittel essen und genießen, erleben Kinder Vielfalt als etwas Selbstverständliches. Das kann ihre Neugier wecken.
Erwachsene müssen aber nicht so tun, als würden sie alle Lebensmittel mögen. Im Gegenteil: Es kann hilfreich sein, ehrlich über eigene Vorlieben und Abneigungen zu sprechen.
Wichtig ist jedoch, eine eigene Abneigung nicht auf das Kind zu übertragen. Aussagen wie „Das magst du bestimmt auch nicht“ nehmen dem Kind die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu machen.
Kinder benötigen Zeit und Gelegenheiten, um neue Lebensmittel kennenzulernen. Folgende Tipps können im Familienalltag helfen:
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Sätze wie „Probier doch wenigstens einen Bissen“ oder „Du kannst nicht wissen, ob es dir schmeckt“ sind zwar gut gemeint. Sie können jedoch dazu führen, dass Essen zu einer Aufgabe oder Prüfung wird. Auch Belohnungen sind häufig wenig hilfreich. Wird ein Nachtisch dafür versprochen, dass das Gemüse gegessen wird, erhält das Kind eine klare Botschaft: Das Gemüse ist die unangenehme Pflicht, der Nachtisch der begehrenswerte Preis.
Je mehr Druck mit einem Lebensmittel verbunden ist, desto schwerer kann es werden, eine positive Beziehung dazu aufzubauen. Eine ruhige Atmosphäre und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, unterstützen Kinder dabei, ihre eigenen Geschmackserfahrungen zu machen.
Kinder entdecken neue Lebensmittel in ihrem eigenen Tempo. Es ist Teil ihrer Entwicklung, dass sie unbekannte Geschmäcker oder Konsistenzen zunächst ablehnen. Wiederholte und entspannte Begegnungen mit den Lebensmitteln können dazu beitragen, dass diese mit der Zeit zu etwas Vertrautem werden. Dabei müssen Kinder nicht sofort probieren. Schon das Anschauen, Berühren, Riechen und die gemeinsame Zubereitung sind wichtige Erfahrungen.
Eltern können diesen Prozess begleiten, indem sie Vielfalt anbieten, selbst ein genussvolles Vorbild sind und die Entscheidungen ihres Kindes respektieren. Denn Geschmack lässt sich nicht erzwingen, sondern muss sich entwickeln dürfen.